Wie wird man Funkamateur?

DARC: Wege zum Amateurfunk

Die nachfolgende Beschreibung der Wege zum Amateurfunk basiert auf den Schriften"Wege zum Amateurfunk" (Prof. Dr. Wolfgang Manz, DJ3EO, Referent für Ausbildung, Jugendarbeit und Weiterbildung im DARC) und "Amateurfunk in der Schule" (Referat für Ausbildung, Jugendarbeit und Weiterbildung) des Deutschen Amateurradioclubs (DARC), um die Möglichkeiten aufzuzeigen, Funkamateur zu werden (gekürzt). Wer Interessiert ist am Hobby Amateurfunk, kann sich auch jederzeit an uns wenden.

Einführung

Entdeckung der Kurzwelle
Auch im Zeitalter des Satellitenfunks hat das Kurzwellenhören nichts von seiner Faszinationverloren. Funkamateure entdecken bei ihren technischen Versuchen mit dem neuen Medium Funk zu Beginn dieses Jahrhunderts die weltumspannenden Reichweiten der Funkwellen zwischen 160 m und 10 m Wellenlänge. In den 20er und 30er Jahren zogen die nationalen Rundfunkdienste nach und errichteten wegen der globalen Reichweiten ihren Auslandsrundfunk auf der Kurzwelle.

Der Kurzwellenhörer
Jeder Rundfunkempfänger mit Kurzwellenteil vermittelt seitdem das aufregende Abenteuer des weltweiten Abhörens der Auslandssendungen. Passionierte Kurzwellenhörer - ShortWave Listeners oder SWLs genannt - schicken Empfangsberichte an dieRundfunkstationen und erhalten dafür bunte Bestätigungskarten aus allen Erdteilen, sogenannte QSL-Karten, die sie sammeln.

Funkamateure im KW-Radio
Auch die Funkamateure waren bis in die 50er Jahre mit normalen Rundfunkempfängern neben den Rundfunksendern im 40-m- und 20-m-Band zu hören. Auch sie bestätigen Empfangsberichte mit individuellen QSL-Karten, wenn man als SWL seine Hörberichte an sie schickt oder über den Vermittlungsdienst des Deutschen Amateur-Radio-Clubs an die Amateurfunkstationenversenden läßt.

Selber senden? CB-Funk und seine Grenzen
Selber senden auf der kurzen Welle, das geht mit Amateurfunklizenz, aber auch ohne Lizenz. Letzteres natürlich nur im CB-Funk im Citizen-Band, als "Bürgerfunk" oder"Jedermannfunk" zu übersetzten. Im Amtsdeutsch wird es ganz korrekt als "Privater Nahbereichsfunk mit Sprechanlagen kleiner Leistung" bezeichnet.

Amateurfunk macht´s möglich
Und so schaut denn manch CB-Funkbegeisterter bald neidisch auf die lizenzierten Funkamateure und ihre Privilegien: höhere Sendeleistung bis 750 Watt, Benutzung von Bandsegmenten über den ganzen KW-Bereich von 160 m Wellenlänge bis zu 10 m, Betrieb von selbstgebauten oder umgebauten Geräten, ohne daß eine Postzulassung erforderlich ist, vielfältige Betriebsarten von Sprechfunk über Morsen bis zu Bild- und Datenfunkverkehr, Funkverkehrüber eigene Amateurfunksatellieten, Experimentiermöglichkeiten auf dem höheren Frequenzen im VHF-, UHF und SHF-Bereich.

Die Hürde Amateurfunkprüfung
Nun, vor einen solchen Himmel haben die Götter den Schweiß einer Lizenzprüfunggesetzt. Diese "fachliche Prüfung für Funkamateure" muß der am Amateurfunk Interessierte vor einer Prüfungskommission der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post ablegen. Nach dieser Prüfung wird ihm ein offizielles, international registriertes, Rufzeichen zugeteilt und die Lizenzurkunde ausgehändigt. Dann gehört er zu den über 74000 Amateurfunkstellen in der Bundesrepublik und kann mit den über 2,6 Millionen Funkamateuren aller LänderKontakt aufnehmen.

 

Amateurfunklizenz - was bedeutet das?

Internationale Vorschriften

Der Amateurfunkdienst ist ein international anerkannter Funkdienst technisch-experimentellerArt, der von technisch interessierten Laien - eben "Amateuren" - ausgeübt wird. Nach der "Vollzugsordnung für den Funkdienst als Anhang zum Internationalen Fernmeldevertrag", der "VO Funk" können die nationalen Fernmeldebehörden Amateurfunklizenzen an Einzelpersonen vergeben, wenn diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So ist der Amateurfunk weltweit geregelt.

Morsekenntnis für Kurzwellenfunk
Für die höchste Lizenzklasse schreibt die VO Funk beispielsweise vor: "Jede Person, die für die Bedienung der Geräte einer Amateurfunkstelle eine Genehmigung erhalten möchte, muß die Fertigkeit fehlerfreier Handabgabe und fehlerfreier Höraufnahme von Texten in Morseschrift nachweisen. Die betreffenden Verwaltungen können jedoch auf die Anwendung dieser Bestimmungen bei Funkstellen verzichten, die ausschließlich Frequenzen oberhalb 30 MHz benutzen".

Lizenzklassen
So gibt es in den meisten Ländern, ähnlich wie in Deutschland, mindestens zwei Lizenzklassen: Klasse 1 für alle Amateurfunkbänder einschließlich der Kurzwellenbereiche und Klasse 2 nur für UKW und höhere Frequenzbereiche. Für diese Klasse muß man keine Kenntnisse der Morseschrift nachweisen. In der Bundesrepublik gibt es zusätzlich noch die Einsteigerklasse 3, die mit stark verringerter Leistung auf zwei UKW-Bändern Betrieb erlaubt.

Prüfungsanforderungen
Für alle drei Lizenzklassen muß man in der Lizenzklassenprüfung Kenntnisse der Elektronik, der Hochfrequnztechnik bei Sendern und Empfängern, der Antennentechnik, der Wellenausbreitung u.ä. nachweisen. Ferner werden Kenntnisse der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften (VO Funk, Amateurfunkgesetz und -verordnung usw.) und Nachweis "Betrieblicher Kenntnisse" verlangt (internationale Abkürzungen, Kenntnis der Frequenzzuweisungen und Bandgrenzen, Abwicklung des Funkverkehrs usw.). Dieschriftliche Prüfung in der Klasse 1 und 2 ist doppelt so umfangreich wie in der Klasse 3. Klasse 1 unterscheidet sich von Klasse 2 ausschließlich durch die Morseprüfung (Tempo 60 Buchstaben/Minute).

Gesetzliche Grundlagen
Der Amateurfunk in der Bundesrepublik Deutschland wird durch das Amateurfunkgesetz vom 16. Mai 1997 und durch die Amateurfunkverordnung vom 23. Dezember 1997 geregelt. Wichtig sind auch der Frequenznutzungsplan und die Verfügung zum Personenschutz in elektromagnetischen Feldern.

 

Vorbereitung auf die Prüfung

Zwei wichtig Drucksachen

Zwei Drucksachen vom BAPT sind die wichtigsten Unterlagen für den Interessenten, der sich auf die Lizenzprüfung vorbereiten will: die Broschüre "Bestimmungen über den Amateurfunkdienst" und die Broschüre "Fragen und Antworten zur fachlichen Prüfung für Funkamateure", die von den BAPT-Außenstellen gegen eine Schutzgebühr erhältlich sind. Die erste Schrift enthält die gesetzlichen Bestimmungen und Verwaltungsvorschriften, die man als Funkamateur kennen muß; die zweite Schrift enthält in Fragen und Musterantworten den gesamten Prüfungsstoff. Dieser ist zwischenzeitlich als Multimedia-Lernprogramm auf Diskette unter der Bezeichnung "WDARC" beim DARC Verlag erhältlich. Aus dem Fragen- und Antworten-Katalog stellen die örtlichen Prüfungskommissionen die Prüfungsfragen zusammen.

Ab 1. Oktober wird für Klasse 1 und 2 ein neuer Fragenkatalog mit Ankreuzaufgaben verwendet. Inhaltlich wird aber vieles gleich bleiben.

Betriebliche Kenntnisse
Hierzu gehören z.B. die Kenntnisse der Landeskenner, das sind die international vereinbarten Buchstaben/Ziffern-Kombinationen, mit denen jedes Rufzeichen einer Funkstationbeginnt. Für Deutschland sind dies z.B. DL, für Großbritannien G, Frankreich F, für die Niederlande PA usw. Wer als Kurzwellenhörer aktiv war, hat viele der geforderten Landeskenner schon nebenher gelernt; der völlige Neuling muß hier viele"Vokabeln" lernen.

Technische Kenntnisse
Dieses Prüfungsgebiet ist für die meisten das schwierigste, weil man hier mit dem Auswendiglernen nicht weiterkommt, sondern physikalische Zusammenhänge - z.B. elektromagnetische Schwingungen - und technische Abläufe - z.B. das Blockschaltbild eines Sende-Empfängers und die Funktion einzelner Stufen - verstanden haben muß. Auch Fachrechnen ist gefragt.

Gut dran ist, wer entsprechende Kenntnisse schon in seiner beruflichen Ausbildung erworben hat. Aber es gibt viele hilfsbereite Funkamateure, die dem technischen Laien und Anfänger gerne hilfreich zur Seite stehen. Und es gibt Lehrbücher zum Amateurfunk. Man kann sich mit diesen Hilfen durchaus im Selbststudium auf die Prüfung vorbereiten, aber das ist nicht der Regelfall. Amateurfunkkurse werden zahlreich angeboten. Man sollte davon Gebrauch machen, denn in der Gruppe lernt man besser!

Kenntnisse von Vorschriften
Auch hier ist mehr als nur Auswendiglernen der Vorschriften gefragt: es geht um den Sinn und Zweck der einschlägigen Bestimmungen. Welche Auflagen und Bestimmungen muß man einhalten ?

Lizenzkurse
Es gibt viele Arten von Amateurfunkkursen. Es gibt private Kurse, öffentliche Kurse, Angebote kommerzieller Art.

Kurse in Ortsverbänden des DARC
In der Bundesrepublik gibt es ca. 1150 Ortsverbände des Deutschen Amateur-Radio-Clubs. Hier werden bei Bedarf für die Clubmitglieder und solche, die es werden wollen, Amateurfunklehrgänge in kleinen Gruppen angeboten, die wöchentlich ein- bis zwei mal über ein halbes oder dreiviertel Jahr stattfinden. Danach kann man sich zur Prüfunganmelden.

Überregionale Lizenzkurse des Ausbildungsreferats des DARC
Auf Länderebene werden jährlich mehrere Kompaktkurse angeboten, in denen man in seinem Urlaub in drei Wochen intensiver Schulung buchstäblich von morgens bis abends auf die Prüfung vorbereitet wird. Die Prüfungskommisssion kommt am Ende eines solchen Kurses ins Haus, und der ganze Kurs macht seine Prüfung. Viele Funkfreundschaften unter den Teilnehmern eines solchen Kurses sind als Nebenergebnis zur Lizenzurkunde schon dabei herausgekommen.

Wann und wo solche Kurse in den Ortsverbänden stattfinden und wie man sich zu den Kompaktkursen anmelden kann, darüber gibt die Geschäftsstelle des DARC e.V. Auskunft:

Deutscher Amateur-Radio-Club e. V.
Lindenallee 6
34225 Baunatal
Tel: (0561) 94 98 80.

Kurse an Volkshochschulen
Auch die Volkshochschulen bieten regelmäßig Amateurfunkkurse an, die meist zwei bis drei Trimester dauern und für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten werden. Sie vermitteln zumeist die technischen Kenntnisse, aber auch die betrieblichen Kenntnisse und Kenntnisse der Vorschriften, und für die Interessenten an der Klasse 1 bieten sie auch Morsekurse an.

Fernkurse
Es werden auch Fernkurse angeboten. Interessant für jene, die aus beruflichen Gründen nicht regelmäßig an Kursen teilnehmen können. Informationen erteilt einmal das:

Institut für Fernunterricht
Rolf Fr. Weber-Verlag
Postfach 21 61
26192 Großenkneten

und die

Dr. Ing. Christiani GmbH
Technisches Lehrinstitut und Verlag
Postfach 35 00
78462 Konstanz.

 

Literatur und Arbeitsmittel für Lizenzkurse

Folgende Literatur bezieht sich auf den alten Fragenkatalog, nach dem bis zum 30. April 1998 geprüft wird. Aber auch wenn der neue Fragenkatalog ein paar Änderungen bringt, bleiben die meisten Grundlagen des Amateurfunks, wie sie in den alten Büchern dargestellt sind, weiterhin gültig.

Auf zwei wichtige Informationsquellen wurde bereits hingewiesen: auf die "Bestimmungen über den Amateurfunkdienst" und den Fragebogen "Fragen und Antworten zur fachlichen Prüfung für Funkamateure".

Die wichtigste Unterlage ist der Fragenkatalog. Alle Fragen, die bei Amateurfunkprüfungen gestellt werden, sind Stichproben aus diesem Fragen- und Antwortenkatalog. Dieser Prüfungsstoff ist zwischenzeitlich als Multimedia-Lernprogramm auf Datenträger vom DARC-Verlag unter der Bezeichnung WDARC erhältlich.

Einige Lehrbücher sollen noch kurz vorgestellt werden. Das Buch von Cuno eignet sich gut für das Selbststudium, wenn dieTeilnehmer einige Vorkenntnisse in Technik haben. Es ist das preiswerteste Buch.

Weniger für die Vorbereitung auf die Lizenzprüfung geeignet, sondern mehr als Nachschlagewerk für die ersten Schritte nach der Prüfung entwickelt, ist das Buch von Röll zu empfehlen.

Eine gute Einführung in die Betriebstechnik (vor allem Abkürzungen, Q-Gruppen usw.) findet sich in der DARC-Buchreihe Band 3: CW-Manual. Die Bände 1 und 2 enthalten mehr als in der Prüfung verlangt wird; sind also als Vorbereitungslektüre für die Kursleiter besser geeignet. Unerläßlich für den Kursleiter sind die Ausbildungsunterlagen des DARC. Sie enthalten einen systematischen Lehrplan mit Stundenentwürfen, Vorschlägen für Demonstrationen und Kopiervorlagen für die Erstellung von Arbeitsblättern oder Projektionsvorlagen (Folien für Tafelschreiber).

Es gibt noch einen sehr empfehlenswerten kompletten Kurs, der allerdings nicht so billig ist: der vierbändige Amateurfunk-Lehrgang von Eckert W. Moltrecht. Die Lektionen zur Technik sind sehr gründlich und umfassend. Die Lektionen zur Betriebstechnik und Gesetzeskunde sind über alle vier Teile verteilt.

Weitere Medien (Morseübertragungskassetten und -programme, Lernprogramm Betriebstechnik, Fragenkatalog als ASCII-Files) sind beim DARC-Verlag erhältlich.